BUNDESHAUSHALT 2027 · REGIERUNGSENTWURF

Rüstung plus 33 Prozent.
Gesundheit minus 34.
Bildung und Familie minus 7.

Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 verschiebt Geld in einer Größenordnung, die es so noch nicht gab. Verteidigung steigt um 32,7 Prozent auf 109,7 Milliarden Euro. Der Gesundheitsetat fällt im selben Entwurf um 34,2 Prozent auf 14,3 Milliarden. Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend verlieren 7,1 Prozent.

Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf 2026 (20,1 Milliarden für Gesundheit) sind es minus 28,6 Prozent — das sind die viel zitierten „rund 30 Prozent“. Der Entwurf 2027 setzt den Vergleichswert für 2026 mit 21,8 Milliarden an; deshalb weist er selbst minus 34,2 Prozent aus. Beide Zahlen sind richtig, sie haben nur eine andere Bezugsgröße.

109,7 Mrd. €Verteidigung 2027 (+32,7 %)
14,3 Mrd. €Gesundheit 2027 (−34,2 %)
15,5 Mrd. €Bildung und Familie 2027 (−7,1 %)

Wie weit der Rüstungsbalken reicht

Gleicher Maßstab. Die grüne Marke zeigt, wo Gesundheit, Bildung/Familie und Entwicklung zusammen liegen: 39,3 Milliarden — 36 Prozent des Rüstungsetats.

Verteidigung 109,7 Mrd. €
Gesundheit, Bildung/Familie und Entwicklung zusammen: 39,3 Mrd.
Verteidigung
109,7 Mrd. €
+32,7 %
Gesundheit
14,3 Mrd. €
−34,2 %
Bildung, Familie, Senioren, Frauen, Jugend
15,5 Mrd. €
−7,1 %

Alle sechzehn Ressorts: Veränderung 2027 gegenüber 2026

Rechts = mehr Geld, links = weniger. Die Null-Linie liegt in der Mitte der Achse; die Achse ist an der stärksten Veränderung ausgerichtet — Gesundheit −34,2 Prozent links, Verteidigung +32,7 Prozent rechts.

Gesundheit
−34,2 %
Bildung, Familie, Senioren, Frauen, Jugend
−7,1 %
Wirtschaft und Energie
−6,0 %
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
−5,8 %
Verkehr
−5,3 %
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
−3,1 %
Auswärtiges Amt
−1,1 %
Umwelt, Klima, Naturschutz, nukleare Sicherheit
−1,1 %
Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
−0,3 %
Justiz und Verbraucherschutz
−0,3 %
Forschung, Technologie und Raumfahrt
+0,7 %
Arbeit und Soziales
+2,1 %
Finanzen
+2,2 %
Inneres und Heimat
+6,0 %
Digitales und Staatsmodernisierung
+6,2 %
Verteidigung
+32,7 %

Was beim Gesundheitstitel nicht draufsteht: das Geld für die Kassen

Der Einzelplan 15 ist nicht das ganze Gesundheitsthema. Ein großer Teil davon geht als Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds, aus dem die Krankenkassen ihre Aufgaben bezahlen. Und genau dort wird gekürzt: 2026 waren es 14,5 Milliarden Euro Zuschuss, dazu 2,3 Milliarden Euro Darlehen an den Gesundheitsfonds — zusammen 16,8 Milliarden, die 2026 bei den Krankenkassen ankamen. 2027 bleiben davon 12,5 Milliarden, und Darlehen sind gar nicht mehr vorgesehen: 4,3 Milliarden weniger.

16,8 Mrd. €an die Krankenkassen 2026
12,5 Mrd. €an die Krankenkassen 2027
−4,3 Mrd. €weniger (-25,6 %)

Woraus die Kürzung von 7,44 Milliarden besteht

Alle Posten des Einzelplans 15, Veränderung 2027 gegenüber 2026. Grün = Einsparung, rot = Aufwuchs.

Personal
+0,04
Sächliche Verwaltung
−0,16
Zuschüsse (u. a. an den Gesundheitsfonds)
−1,72
Darlehen an den Gesundheitsfonds
−2,30
Darlehen an den Pflegeausgleichsfonds
−3,20

Nach Berechnung der Kassen: rund 10 Milliarden Euro zu wenig pro Jahr

10,0 Mrd. €jedes Jahr zu wenig erstattet
79Krankenkassen klagen dagegen
19,0 Mrd. €Finanzierungslücke der GKV 2027

Der Bund erstattet den Krankenkassen die Gesundheitsversorgung von Menschen in der Grundsicherung nur pauschal — nach Berechnung des GKV-Spitzenverbands „rund 10 Milliarden Euro pro Jahr“ zu wenig. Sein Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt im September 2026: „Wir reden von über rund zehn Milliarden Euro pro Jahr, die immer noch fehlen.“ Deshalb hat der Verband im Namen von 79 Krankenkassen Anfang Dezember 2025 Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland beim Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen eingereicht; der Beschluss fiel am 11. September 2025. In diesem Haushaltsentwurf kommen bei den Kassen noch einmal 4,3 Milliarden Euro weniger an als 2026.

Für 2027 beziffert das Bundesgesundheitsministerium die Finanzierungslücke der GKV auf rund 19,0 Milliarden Euro (Berechnung der FinanzKommission Gesundheit, FAQ zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz). Auf der einen Seite also 4,3 Milliarden weniger vom Bund, auf der anderen Seite eine Lücke von 19 Milliarden im System — und ein alter Anspruch von 10 Milliarden, der seit Jahren offen ist.

Kassen 2026
16,8 Mrd.
Kassen 2027
12,5 Mrd.
−25,6 %
davon fehlt jährlich
10,0 Mrd. Lücke
Persönliche Meinung Ansicht des Betreibers dieser Seite — keine Tatsachenbehauptung

Warum ich diese Zahlen für den falschen Weg halte

Die Zahlen oben sind belegt, das hier ist meine Einschätzung. Ich bin kein Gesundheitspolitiker und kein Ökonom. Ich bin jemand, der den Entwurf gelesen hat.

Wir reden über eine Kürzung von 34,2 Prozent im Gesundheitsetat, während der Verteidigungsetat um 32,7 Prozent wächst. In einer Zeit, in der in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen Personal fehlt, wird in dem Bereich gespart, der ohne Personal nicht funktioniert. Fachkräfte kann man nicht später nachkaufen wie eine Waffe. Wer einmal aus dem Beruf raus ist, kommt nicht zurück, weil ein Haushalt es vorsieht.

Mein Standpunkt: Ich bin Verfechter davon, dass Gesundheitspolitik von Leuten gemacht werden sollte, die das System von innen kennen — die wissen, was ein Bett auf einer Intensivstation kostet, was eine Schicht mit zwei fehlenden Stellen bedeutet und wo die Verwaltung Geld verbrennt, ohne dass ein Patient etwas davon hat. Es ist leichter, in einem Interview Härte zu zeigen, als nachts um drei eine Station zu besetzen. Ich ziehe die zweite Sorte Mensch vor.

Deshalb verlinke ich hier eine Seite, die ich in der Sache für stark halte, weil dort jemand mit Sachverstand und ohne Rücksicht auf Sprechzettel arbeitet: esistpunkt12.de — die Kampagne „Es ist Punkt 12: Gesundheit statt Sparwahn".

Wenn Sie das anders sehen: Das Forum ist offen, die Beiträge dort sind nicht von mir. Meine Meinung steht hier, die Belege stehen oben unter den Zahlen.

Long Covid, ME/CFS — und was dagegen ausgegeben wird

Zum Vergleich mit dem Rest des Haushalts: Die Erhebung der Lkw-Maut kostet 2027 1.080,6 Millionen Euro (Einzelplan 12, Ausgaben-Titelgruppe 02). Für Kinder und Jugendliche mit Long Covid sind im selben Entwurf 10,0 Millionen Euro vorgesehen, für die Long-Covid-Beratung 0,2 Millionen. Zusammen 10,2 Millionen. Das Mautsystem ist damit 106-mal teurer als alles, was der Bund 2027 für Long Covid vorsieht.

1.080,6 Mio. €Erhebung der Lkw-Maut 2027
10,2 Mio. €Long Covid 2027 (Forschung, Beratung, Modellmaßnahmen)
0 €ME/CFS — kommt im Entwurf nicht vor
Erhebung der Lkw-Maut
1.080,6 Mio. €
Long Covid zusammen
10,2 Mio. €
ME/CFS
0 € — kein Titel, keine Zeile, keine Zahl

Dazu kommt, was den Betroffenen selbst passiert: Für ME/CFS und Long Covid gibt es keine zugelassene Therapie. Arzneimittel, die nicht zugelassen sind, zahlt die Krankenkasse nur in engen Ausnahmen — Off-Label-Verordnungen brauchen eine Begründung nach § 35c SGB V und die Anerkennung eines Behandlungserfolgs. Praktisch heißt das: Wer eine anerkannte Diagnose hat, bezahlt die meisten Medikamente, Laborwerte und Behandlungen selbst. Es fehlt nicht an Anerkennung, es fehlt an Forschung — und an einem Etat, der sie bezahlt.

Die Zahlen im Einzelnen

Soll 2027 und Soll 2026 in Milliarden Euro, wie im Regierungsentwurf ausgewiesen.

EPRessort20272026Veränd.
EP 11Arbeit und Soziales201,5197,3+2,1 %
EP 14Verteidigung109,782,7+32,7 %
EP 12Verkehr26,427,9−5,3 %
EP 30Forschung, Technologie und Raumfahrt22,021,8+0,7 %
EP 06Inneres und Heimat16,715,8+6,0 %
EP 17Bildung, Familie, Senioren, Frauen, Jugend15,516,7−7,1 %
EP 15Gesundheit14,321,8−34,2 %
EP 08Finanzen11,110,8+2,2 %
EP 23Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung9,510,1−5,8 %
EP 25Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen7,57,7−3,1 %
EP 10Landwirtschaft, Ernährung und Heimat7,07,0−0,3 %
EP 05Auswärtiges Amt6,06,0−1,1 %
EP 09Wirtschaft und Energie5,55,9−6,0 %
EP 16Umwelt, Klima, Naturschutz, nukleare Sicherheit2,72,8−1,1 %
EP 24Digitales und Staatsmodernisierung1,41,4+6,2 %
EP 07Justiz und Verbraucherschutz1,21,2−0,3 %
Summe der 16 Ressorts458,1 436,8 +4,9 %
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, Regierungsentwurf Bundeshaushalt 2027, Einzelpläne 05–30, jeweils „Gesamtausgaben“ aus der Übersicht zum Einzelplan (Soll 2027 / Soll 2026). Abruf am 28.10.2026 über bundeshaushalt.de. Beträge in Milliarden Euro, gerundet. Rundungsdifferenzen möglich. Angaben zum Bundeszuschuss und zu den Darlehen aus demselben Einzelplan (Kapitel 1501, Zuweisungen und Zuschüsse 12,5 Mrd., 2026: 14,5 Mrd. plus 2,3 Mrd. Investitionsdarlehen). Angaben zu den fehlenden 10 Milliarden: GKV-Spitzenverband (Beschluss 11.09.2025, Klage von 79 Krankenkassen beim LSG Nordrhein-Westfalen, eingereicht Anfang Dezember 2025). Angaben zur Finanzierungslücke 2027 (rund 19 Mrd.): Bundesgesundheitsministerium, FAQ zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (Berechnung der FinanzKommission Gesundheit). Die Vergleichszahlen 2026 sind die im Entwurf 2027 ausgewiesenen Ansätze — sie können von den Zahlen des ursprünglichen Entwurfs 2026 abweichen.